Bildungsfinanzierung: GEW-Vorsitzende fordert in Würzburg „Schulterschluss von Bund, Land und Gemeinden“

Würzburg – Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sieht die Aufgaben in der Bildungslandschaft einer Stadt wie Würzburg im Schulterschluss von Bund, Ländern und Gemeinden. „Das Geld kommt sonst nicht an die richtige Stellen“ sagte die Chefin der mit mehr als 280.000 Mitgliedern größten Bildungsgewerkschaft der Bundesrepublik in Würzburg.

Auf Einladung des GEW-Bezirksvorsitzenden Martin Heilig war Tepe zur „Zukunftswerkstatt Stadt für Kinder“ der Grünen Stadtratsfraktion vom Main (Frankfurt) an den Main (Würzburg) gekommen. „Die GEW ist als DGB-Gewerkschaft eine überparteiliche Organisation“, sagte sie. Aber wenn in Würzburg zwei Oberbürgermeisterkandidaten (Sebastian Roth, Linke, und Martin Heilig, Grüne) und die 3. Bürgermeisterin (Marion Schäfer-Blake, SPD) GEW-Mitglieder seien, diskutiere sie gerne mit diesen über die kommunalen Handlungsspielräume in der Bildung.

Weiterlesen

Piazolo-Paket: 46.000 unterschreiben Protest

Erfolgreiche Online-Petition aus Unterfranken

Die GEW Unterfranken unterstützt die Online-Petition Gegen die Neuregelung der Arbeitsbedingungen für Grund-/Mittelschullehrer*innen in Bayern!, die sich gegen das Piazolo-Paket, die engagierte Grundschullehrerinnen aus Unterfranken initiiert haben:

Nach den Winterferien erwischte Kultusminister Piazolo die Kolleg*innen in Grund-, Mittel- und Förderschulen eiskalt: Erhöhung der Mindestteilzeit, Abschaffung der Sabbatmodelle, Erhöhung der Altersgrenze für Antragsruhestand und Mehrarbeit für alle in der Grundschule (Arbeitszeitkonto) sollen dem Lehrkräftemangel begegnen. Diesen stellen die Initiatorinnen der Onlinepetition Gegen die Neuregelung der Arbeitsbedingungen für Grund-/Mittelschullehrer*innen in Bayern! gar nicht in Frage: „Seit Jahren leisten wir wegen fehlender Lehrkräfte Mehrarbeit, trauen uns nicht krank zu werden, werfen Klassen und Kurse zusammen und arbeiten am Limit mit den zusätzlichen Verwaltungsaufgaben.“ Andere sehen das offensichtlich ebenso. „Der Unmut ist riesengroß.“

Die Petitionin sammelte in einem Monat 46.000 Unterschriften mit Klarnamen. Alle drei Initiatorinnen sind Grundschullehrkräfte aus Unterfranken. „Wir sind vom Erfolg überwältigt“, sagen sie. „Das zeigt aber auch, wie groß der Unmut der Kolleg*innen, Eltern und Unterstütze*innen ist.“ Ihr nächstes Ziel sind 50.000 Unterschriften. „Die erwarten wir diese Woche.“

Piazolo-Paket? Uns reicht‘s! Weitere Kundgebungen

Nach den Kundgebungen in Fürth und Würzburg gegen die von Kultusminister Piazolo angekündigten Maßnahmen zur Arbeitszeiterhöhung (Grundschulen) und zur weiteren Erhöhung des Arbeitsdrucks und der Arbeitsbelastung aller Lehrer*innen in bayerischen Schulen werden weitere Protest- und Gegenwehr-Aktionen vorbereitet: So soll in München am Mittwoch, den 29.01. eine Kundgebung stattfinden, in Nürnberg am 07.02. und eine zentrale Kundgebung der GEW Bayern ist für den 12.02. ebenfalls in München geplant. Weitere Informationen dazu folgen (www.gew-bayern.de).

Zudem gibt es eine Onlinepetition gegen die Piazolo-Pläne.

Die GEW Unterfranken ruft weiterhin auf:

Rote Karte für das Kultusministerium!
Bitte ladtet die Postkarten herunter, druckt und füllt sie mit einem persönlichen Text aus. Schickt sie bitte im Sammelkuvert mit Eingang spätestens am 12.02.2020 an Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Bayern, Postkartenaktion, Schwanthalerstraße 64, 80336 München. Druckvorlagen können auch bestellt werden bei
Jörg Nellen, presse@gew-unterfranken.de
Wir werden die Karten in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion dem Kultusminister überreichen.

Aufruf zur Kundgebung
Piazolo-Paket?-Uns reicht‘s!
Freitag, 07. Februar 2020, 15:30 bis 16:30
Nürnberg, Lorenzkirche
(10 Fußminuten vom Hauptbahnhof)

Würzburg 18.01.: Ein Dreivierteltausend zeigte dem KM die ‚rote Karte‘

Es mag ja sein, dass eine *C*SU-gesteuerte Regierung die engeren Kontakte zu Petrus hat, der pünktlich zum Kundgebungsbeginn einen kalten Schauer über dem Unteren Markt in Würzburg herunter gehen ließ. Das konnte aber nur symbolisch bekräftigen, dass die Bildungsgewerkschaft GEW die Kolleginnen und Kollegen nicht im Regen stehen lässt. Sie ließ sich auf der in wenigen Tagen organisierten Protestkundgebung nicht vom Wetter beeindrucken und wies zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen das „Pinocchio-Piazolo’sche Weihnachtspaket“ prompt als „völligen Fehlgriff“ und „Schlag ins Gesicht der Kolleg*innen“ zurück. Jörg Nellen, Geschäftsführer der GEW Unterfranken, begrüßte zunächst – wie er meinte, großzügig zu schätzen – 250 Kolleginnen und Kollegen, die dem Aufruf der Bildungsgewerkschaft gefolgt waren. Doch er musste die Zahl der Teilnehmenden mehrmals nach oben korrigieren. Schließlich waren es gut 750 Protestierende, die dem Kultusminister Piazolo in lautstark skandierten Sprechchören „Es reicht!“ zuriefen und ihm überdeutlich die „rote Karte“ zeigten.

Weiterlesen

Bildungsgewerkschaft zu Piazolo: „Geht gar nicht!“

GEW kritisiert Personalpolitik des Kultusministeriums scharf

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Unterfranken warnt seit 1970 vor dem Lehrkräftemangel an Bayerns Schulen (1). Wie es scheint, 50 Jahre vergebens: Nun hat Kultusminister Piazolo an Grund- Mittel- und Förderschulen die Arbeitszeit erhöht, verordnet den Lehrkräften eine längere Lebensarbeitszeit, streicht Erholungszeiten und schränkt Teilzeitarbeit ein. „Auf ein marodes Gebäude kann man nicht einfach eine Etage aufstocken,“ kritisiert Martin Heilig, der GEW Bezirksvorsitzende. „Das geht gar nicht.“

Betroffene fühlen sich hilflos, sind wütend, enttäuscht. (s. unten Rückmeldungen an den GEW-Bezirksvorstand)

Die GEW kündigt in Unterfranken Widerstand an. Maßnahmen wie Dienst nach Vorschrift, Streichung der privaten Ausgaben für den Unterricht, Aussetzen der freiwilligen Zusatzaufgaben wie Systembetreuung, Klassenfahrten, Schulfeste werden diskutiert. Zunächst rufen wir noch im Januar zu einer Demonstration in Würzburg auf. „Es reicht!“, sagt Heilig.

s. auch PE GEW Bayern

Weiterlesen

GEW Unterfranken unterstützt Schülerdemonstrationen

„Fridays for Future“ sind Akt der Zivilcourage mit Lehrplanbezug

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Unterfranken freut sich über die hohe Teilnahme an den unterfränkischen Schülerdemonstration „Fridays for Future“ zur Rettung des Weltklimas. Die Schülerinnen und Schüler hätten gezeigt, dass sie sich nicht nur für die Bewahrung der für ihre Generation so wichtigen Lebensgrundlage einsetzten, sondern hätten mit ihrer Teilnahme auch Zivilcourage bewiesen.
„Es ist gut, dass Schüler*innen sich politisch engagieren und es ist gut nachvollziehbar, dass
sie dies auch während der Unterrichtszeit tun. Schule sollte an diese Aktivitäten anknüpfen und diese aufgreifen,“fordern auch Ulf Rödde und Ilka Hoffmann von der Bundes-GEW (s. Anlage)
„Die GEW Aschaffenburg / Miltenberg begrüßt die SchülerInnen Proteste ausdrücklich,“ sagt die Kreisverbandsvorsitzende Monika Hartl am Untermain. „Es ist äußerst erfreulich, dass gleich 1200 SchülerInnen dem Aufruf am vergangenen Freitag gefolgt sind. Sie setzen damit ein politisches Signal für ein demokratisches Miteinander! Wir unterstützen diese Form von Meinungsäußerung und hoffen auf zahlreiche weitere Aktionen und Diskussionen zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ auch innerhalb der Schule!“
Wer das Engagement der Schülerinnen und Schüler, die überaus zahlreiche Teilnahme und die fröhliche Stimmung erlebt habe, komme nicht umhin festzustellen, dass an Freitagen während und auch nach des Unterrichts ein Fest der Demokratie stattgefunden habe, so der ehemalige Würzburger GEW-Vorsitzende Walter Feineis. Er fordert das Kultusministerium auf, auf alle Strafmaßnahmen gegen die Teilnehmer zu verzichten.
„Die GEW versteht nach wie vor nicht, warum das Kultusministerium und die Schuldirektoren nicht dem Vorschlag der GEW gefolgt sind, die Teilnahme an der Demonstration als Unterrichtsgang zu genehmigen. Einen besseren Anschauungsunterricht könne man sich für das Fach Sozialkunde nicht vorstellen, zumal es sich bei dem Thema um eines handelt, das wirklich unsere Zukunft angeht,“ sagt der unterfränkische GEW-Geschäftsführer Jörg Nellen. „Die Demonstrationen haben einen Bezug zum kompetenzorientierten bayerischen Lehrplan, sind ein Akt ziviler Courage und ein Zeugnis des politischen Engagements der jungen Generation, für die die alte nicht genug tut,“ so Nellen.

Anlage „Fridays for Future – Positionen der GEW

Lehrkräftemangel dramatisch – kein gutes Zeugnis fürs Kultusministerium

Der Lehrkräftemangel an den Schulen in Deutschland ist weiterhin dramatisch. Damit stellen sich die Kultusministerien kein gutes Zeugnis aus.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) schlägt ein 10-Punkte-Programm vor. Sie bietet den Ländern die Zusammenarbeit an, um Lösungsstrategien für die verfahrene Situation zu entwickeln und umzusetzen“, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe mit Blick auf den Einstellungstermin für Lehrkräfte im Februar. Auch im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2018/19 blieben tausende Stellen unbesetzt. Am stärksten sei der Mangel an Grund- und Förderschulen sowie an beruflichen Schulen. Zudem seien bundesweit mehrere tausend Quer- und Seiteneinsteiger*innen eingestellt worden, in Bayern vornehmlich sog. Zweitqualifizierer*innen, also Kolleg*innen, die grundständig ein anderes Lehramt studiert haben. Ohne diese Maßnahme wäre die Mangelsituation noch deutlich zugespitzter. „Der Lehrkräftemangel ist keine Eintagsfliege. Wenn jetzt nicht effektiv gegengesteuert wird, verschärft sich die Situation bis 2025, ja 2030 sogar noch“, betonte Tepe.
„Mit unserem 10-Punkte-Programm legen wir ein Maßnahmenbündel vor, das kurz-, mittel- und langfristig greift“, unterstreicht der bayerische GEW-Vorsitzende Anton Salzbrunn. „Teilnehmer*innen an Zweitqualifizierungsmaßnahmen müssen qualifiziert werden, bevor sie in die Schulen kommen. Zudem müssen sie sofort durch Mentoringprogramme unterstützt werden. Dafür brauchen wir einheitliche Standards und mehr Ressourcen“, erläuterte Salzbrunn.

Vollkommen unverständlich ist, dass es nach wie vor Studiengänge für das Lehramt an Grundschulen gibt, die mit einem Numerus clausus (NC) belegt sind. Damit mehr junge Menschen ein Lehramtsstudium aufnehmen, müsse der Beruf attraktiver gemacht werden. Dafür seien die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dazu gehört vor allem auch, alle voll ausgebildeten Lehrkräfte nach A13 (Beamtinnen und Beamte) und E13 (Angestellte) zu bezahlen. Gleiches Geld für gleichwertige Arbeit: JA13 für alle! Länder wie Bayern müssen jetzt nachziehen.

Salzbrunn machte aber auch noch einmal deutlich, dass die aktuelle Situation im Wesentlichen hausgemacht sei. „Auch Bayern hat es in den vergangenen Jahren versäumt, ausreichend Lehrkräfte auszubilden bzw. zu übernehmen, obwohl die Pensionierungszahlen und die steigende Geburtenrate lange bekannt sind.“ Die Belastungen durch die Mangelsituation dürfen nicht länger auf dem Rücken der Lehrerinnen und Lehrer ausgetragen werden.

Knariks Stuhl bleibt leer

GEW kritisiert drei Abschiebungen in zwei Wochen an unterfränkischer Schule

Da kommt man als Lehrkraft in die Klasse, in der man seit sechs Monaten lehrt, vereint lernt, gemeinsam Hindernisse überwindet, um Erfolge ringt. Und dann am Donnerstag Morgen das: Der Stuhl der Schülerin Knarik ist leer. Und er bleibt leer. Knarik ist nach Armenien abgeschoben worden. Morgens um sechs kommen die Beamten unangekündigt in die Unterkunft, nehmen die Tochter und die Mutter mit. Die Tochter wird nach Armenien abgeschoben, die Mutter nach Georgien. Das Mädchen stand noch dazu kurz vor einer Operation. Die Klasse ist fassungslos, die Lehrkraft wütend, der Schulleiter hilflos: keiner wusste davon.

Knarik ist die dritte Asylsuchende, die innerhalb zweier Wochen von der Schulbank an der Fachoberschule Marktheidenfeld weg in ein fernes Land verschoben wurde, bei Nacht und Nebel, wie Diebesgut. Zudem wurde der Schutz der Familie durch diese Abschiebung grob missachtet (Art. 6 GG). „Die Würde des Menschen ist unantastbar (Art.1 GG),“ sagt der Geschäftsführer der GEW Unterfranken, Jörg Nellen. „Die Grundsätze des unverletzlichen und unveräußerlichen Verfassungskerns bringen wir allen Schülerinnen und Schülern als erstes bei.“ Das Grundgesetz ist höherrangig als jedes Aufenthaltsgesetz. Das Aufenthaltsgesetz von 2017 schafft ausdrücklich einen Ermessensspielraum, wenn „wenn dringende humanitäre oder persönliche Gründe oder erhebliche öffentliche Interessen seine vorübergehende weitere Anwesenheit im Bundesgebiet erfordern“ (§ 60a Abs. 2 S. 3 AufenthG). Alle Bundesländer sehen das so, nur Bayern schiebt ab.

„Was ist dringender und persönlicher als Ausbildung, als Qualifikation, als Anstrengungsbereitschaft?“ fragt Nellen. „Ausbilden statt Abschieben ist unser Auftrag, alles andere ist unanständig“. Die Bildungsgewerkschaft GEW hat in einer Unterschriftenaktion sich deutlich gegen pauschale Abschiebungen aus Schulen ausgesprochen: „Wir Lehrkräfte sind keine Abschiebehelfer!“ (https://www.gew-bayern.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/praesentation-unterschriftensammlung-lehrkraefte-sind-keine-abschiebehelferinnen/ ; siehe unter meiner Unterschrift). 1500 Unterschriften unterstützten den Aufruf 2018 innerhalb weniger Wochen.

Knariks Stuhl bleibt leer. „Wir werden dafür streiten, dass nicht noch mehr qualifizierte, motivierte, integrierte Menschen aus ihrem Leben mit Zukunft gerissen werden“, so Nellen. Die GEW fordert Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazzolo auf, den ihm anvertrauten Schülerinnen und Schüler – und ihren Lehrkräften – den verfassungsgemäßen Schutz angedeihen zu lassen.

Schulsozialarbeit in Bayern – immer noch ein Stiefkind?!

Vortrag und Diskussion am Mittwoch, 17.10.2018 um 18.00 Uhr in Aschaffenburg, Martinushaus, Treibgasse 26.

Die Stadt Aschaffenburg, die Regierung von Unterfranken, Sozialverbände, die Landesregierung verfolgen mit teilweise unterschiedlicher Intensität das Ziel, generell ein Mehr an Sozialer Arbeit in allen Schulen einzuführen.
Was beinhaltet der Begriff Schulsozialarbeit?
Wasist dann JaS?
Wie sieht die Praxis bei uns aus?
Werden die nötigen Mittel dazu bereitgestellt?

Kollege Dr. Herbert Bassarak, ehemals Professor für Sozialarbeit und Sozialpädagogik an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg,  u.a. Gründungsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit Bayern e.V. und deren Vorsitzender, hat 2018 das „Lexikon der Schulsozialarbeit“ herausgegeben. Er wir die Praxis der Schulsozialarbeit in Bayern umreißen bzw. zu den oben gestellten Fragen kritsch Stellung nehmen.

Einladung_Bassarak

In jeder Schule fehlt eine Lehrkraft

GEW Unterfranken widerspricht Regierung von Unterfanken zum Schulanfang: Unterrichtsversorgung bedroht

Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht im Gegensatz zur Regierung von Unterfranken zum Schulanfang keine Erleichterung in der Lehrkräfteversorgung. „Der Druck auf Kolleginnen und Kollegen, Kinder und Jugendliche und Eltern bleibt bestehen, da keinen einzige Lehrkraft zusätzlich eingestellt wurde“, sagt der GEW-Bezirksverbandsvorsitzende Martin Heilig zum Schulanfang. „In jeder unterfränkischen Schule fehlt statistisch eine Lehrkraft.“ Das führe zu Belastungen der Kolleginnen und Kollegen, der Schülerinnen und Schüler und der Eltern.

Grund- und Mittelschulen

Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen müssen mit 28 Unterrichtsstunden (29 für Fach- und Förderlehrkräfte) in der Woche ein Drittel mehr arbeiten als ihre Kolleginnen und Kollegen in den weiterführenden Schulen und bekommen bis zu 500 € weniger. „Kleine Kinder, großes Gehalt: das gleiche Einstiegsgehalt für alle Lehrkräfte!“ fordert Heilig. ((https://www.gew-bayern.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-bayern-macht-fuer-ja13-mobil-1/))

Der Personalmangel führt zu massiven Problemen in Unterfranken: pädagogisch geteilte Klassen werden zusammengelegt, Förderlehrkräfte, die nocheinmal weniger verdienen als Mittelschullehrkräfte, übernehmen Unterrichtsverantwortung statt individuell zu fördern, Kolleginnen und Kollegen trauen sich nicht, krank zu sein, um die Kinder nicht durch Stundenausfall zu belasten, verschleppen und fallen schließlich länger oder ganz aus, die Mobile Reserve, die bei Krankheit oder Fortbildungen eigentlich einspringen soll, ist schon am Schuljahresanfang so fest verplant, dass sie ihre Springeraufgaben nicht mehr erfüllen können, Kolleginnen werden gebeten, im Krankenstand doch bitte Stunden vorzubereiten oder zu korrigieren.

Auch die Zweitqualifikation von schulartfremden Lehrkräften belastet alle Betroffenen: Die jungen Realschul- und Gymnasiallehrkräfte in Grund- und Mittelschulen müssten neben dem anstrengenden Unterricht sich weiterbilden, die Stammlehrkräfte sehen sich in der Pflicht, ihre unerfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen, die Schülerinnen und Schüler haben keine Kontinuität: „Sie können einem eigentlich sehr guten Fahrzeug, das aber überladen ist, nicht noch mehr aufbürden, ohne dass es zusammenbricht,“ so Heilig.

„Schließlich gingen Eltern auf die Barrikaden, weil überlastete Lehrkräfte deren Erwartungen nicht entsprachen,“ weiß Heilig. Doch die Vorgesetzten unterstützen den Elternprotest, melden Stundenausfälle nicht und erhöhten den Druck auf ihre Kolleginnen und Kollegen. Die Betroffenen fühlen sich hilflos. Das läge auch daran, dass Personalräte der Lehrervereine oft Schulleiter sind. „So bleibt nur die Rechtsberatung der GEW-Personalräte, um wirksame Hilfe zu leisten.“

Die GEW erwartet im Gegensatz zur Regierung von Unterfranken auch im Jahr 2018/2019 wieder massive Unterrichtsausfälle, verunsicherte Lehrkräfte, die sich nicht trauen, krank zu sein oder auf Fortbildung zu gehen, und Schülerinnen und Schüler, die ihre Ziele nicht erreichen: jeder Zehnte verlässt die Schule ohne Abschluss, nur ein Drittel erreicht den der Realschule gleichwertigen Mittleren Schulabschluss an der Mittelschule. „Wir brauchen wieder mehr Zukunft in den Grund- und Mittelschulen“, so Heilig.

Gymnasium und Realschulen

Es finden sich heuer gut ausgebildete 2300 Gymnasial- und 1800 Realschullehrkräfte auf der Straße wieder: die haben zwar die Hoffnung, wenigstens befristet angestellt zu werden oder mit einer Zusatzqualifikation in Grund- und Mittelschulen Arbeit zu finden. „Doch was für eine Ressourcenverschwendung“, sorgt sich Martin Heilig. „Wir brauchen ein gemeinsames Grundstudium für alle Lehrämter, damit endlich Flexibilität zwischen den Schularten und Professionalität zusammen gehen.“ Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium wird allgemein begrüßt. „Aber die Personalausstattung mit Klassenleitungsstunden und Sozialpädagoginnen und –pädagogen muss endlich umgesetzt werden,“ fordert Heilig.

Berufliche Schulen

Die hohe Qualität der dualen Ausbildung sieht die Bildungsgewerkschaft auch in Unterfranken bedroht. „Im Kampf um die Köpfe entscheiden die Arbeitsbedingungen und das Einkommen,“ weiß Heilig. Schon jetzt müssten Kurse zusammengelegt werden, Unterricht entfalle und Auszubildende erreichten ihre Ziele nicht: ein Viertel breche die Ausbildung ab.

Förderschulen

Die Schulart, die mit hoher Professionalität und Kollegialität die Schwächsten in der Gesellschaft auf eben diese vorbereitet, stehe ebenfalls unter Druck. „Wir brauchen schon wegen EU-Behindertenrechtskonvention mehr Sonderpädgogik in den Regelschulen,“ weiß der GEW-Bezirksvorsitzende. „Aber dieser Mobile Sonderpädagogische Dienst dürfe dann nicht an den Förderschulen fehlen, große Klassen verursachen und Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und Eltern belasten.“ ((https://www.behindertenrechtskonvention.info/inklusion-3693/))

Folgen

„Lehrkräfte in Unterfranken arbeiten am Limit“, fasst Heilig zusammen. Der bayerische Staat muss seine Hausaufgaben machen:

– gleiche Bezahlung der Lehrkräfte an allen Schularten

– vorausschauende Personalplanung

– gemeinsames Grund-Studium aller Lehrämter zur Ausbildung von Stufenlehrkräften

– Ende des Befristungsunwesens und der Kettenverträge

– längeres gemeinsames Lernen aller Schülerinnen und Schüler mit den entsprechenden Ressourcen ausstatten

Die GEW Unterfranken bietet betroffenen Kolleginnen und Kollegen Rechtschutz, Fortbildungen und Beratung bei beruflichen Problemen für alle Lehrkräfte und Beschäftigte in Bildungsberufen: www.gew-unterfranken.de

Quellen

Das Staatsministerium sucht händeringend nach Lehrkräften (Stichwort „Volleinstellung“), Seiten- oder Quereinsteiger ohne dreimonatige Mindesqualifikation „on the job“, Zusatzqualifikanten oder Reaktivierung von Pensionistinnen und Pensionisten sind nicht einmal eine mittelfristige Lösung. In Würzburg wurden im Juli 2018 schon 500 Kinder mehr geboren als zwei Jahre zuvor. Die erreichen 2014 die Grundschulen:

https://www.km.bayern.de/lehrer/meldung/6106/neueinstellungen-ueber-4200-lehrerinnen-und-lehrer-zum-kommenden-schuljahr.html

Die GEW kritisiert die kurzsichtige Einstellungspolitik:

Bayern: https://www.gew-bayern.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/bildungsgewerkschaft-gew-zum-schulbeginn-in-bayern/

https://www.gew-bayern.de/aktuelles/detailseite/neuigkeiten/gew-bayern-weist-angriffe-gegen-paedagogisches-fachpersonal-zurueck/

Bund:

https://www.ardmediathek.de/tv/Morgenmagazin/Lehrermangel-Gewerkschafter-schlagen-Al/Das-Erste/Video?bcastId=435054&documentId=55268050

https://www.youtube.com/watch?v=u44OmLRu4Kk .

https://www.rtl.de/cms/arbeitslos-in-die-sommerferien-fuer-tausende-lehrer-immer-noch-realitaet-4189060.html

Inzwischen ist der Lehrkräftemangel auch in der Satire angekommen:
https://www.ardmediathek.de/tv/extra-3/Lehrermangel-in-Deutschland/NDR-Fernsehen/Video?bcastId=3709210&documentId=55137114