{"id":279,"date":"2017-11-09T17:12:02","date_gmt":"2017-11-09T17:12:02","guid":{"rendered":"http:\/\/gew-unterfranken.de\/?p=279"},"modified":"2017-12-04T17:14:04","modified_gmt":"2017-12-04T17:14:04","slug":"schule-ist-kein-riesencomputer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gew-unterfranken.de\/?p=279","title":{"rendered":"Schule ist kein Riesencomputer"},"content":{"rendered":"<p>In einer Mitgliederversammlung diskutierte der Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft nach einem kurzen Eingangsreferat des GEW-Kreisvorsitzenden Wolfgang Tr\u00f6ster \u00fcber das Thema Digitale Bildung bzw. \u00fcber die Bedeutung der Digitalisierung in Erziehungseinrichtungen, vor allem in der Schule. <!--more--><\/p>\n<p>Digitales Ger\u00e4t als Mittel zum Zweck<\/p>\n<p>Dabei waren sich die Anwesenden einig, dass durch den Einzug und die vermehrte Bedeutung der Digitalisierung das schulische Leben trotzdem nicht wie von einem Riesencomputer gepr\u00e4gt werden d\u00fcrfe. Unbestritten ist, dass die Kompetenz der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, was Smartphones und Tablets angehe, durchaus noch gesteigert werden kann, allerdings immer unter der Ma\u00dfgabe einer sinnvollen und angemessenen Nutzung. Das digitale Ger\u00e4t muss Mittel zum Zweck sein, dazu geh\u00f6ren Recherchieren, Gestalten und Visualisieren von Texten, kreatives \u00dcben im Bereich Fertigkeiten. Die Sch\u00fclerInnen d\u00fcrfen dabei freilich nicht vom Ger\u00e4t beherrscht werden. Big Data, Computer und Algorithmen in Gestalt von vollautomatischen E-Learning-Systemen d\u00fcrfen das Erziehungsgeschehen nicht autonom steuern und eine lebendig praktizierte P\u00e4dagogik untergraben, die grunds\u00e4tzlich immer noch in gemeinschaftsbildenden Klassenverb\u00e4nden zu verwirklichen sei und das Fundament f\u00fcr eine demokratische Bildung bilde. <\/p>\n<p>Total\u00fcberwachung?<\/p>\n<p>Eine Gefahr bestehe auch in der m\u00f6glichen Total\u00fcberwachung durch die Lernsoftware, durch die alle Lernverhaltensweisen der Sch\u00fclerInnen von den Anbietern gespeichert, gesammelt und \u00f6konomisch ausgewertet werden k\u00f6nnen, so dass die Sch\u00fcler zu gl\u00e4sernen Lernmaschinen werden k\u00f6nnten. Ein spezielles Datenschutznetz f\u00fcr Kinder und Jugendliche im Sinne des schon in den USA bestehenden \u201eChildren\u2019s Online Privacy Act\u201c sei unabdingbar, so die Bildungsgewerkschafter in Karlstdt.<br \/>\nHintergrund<br \/>\nWissenschaftliche Langzeituntersuchungen (Lankau, Spitzer) haben au\u00dferdem ergeben, dass die intensive Digitalisierung bzw. die Verwendung der digitalen Medien nicht zu einer h\u00f6heren Leistungsmotivation bzw. zu besseren Lernerfolgen gef\u00fchrt haben. Im Gegenteil, die zu starke Fixierung auf Smartphones verringere lebendige menschliche Kommunikation und reduziere die F\u00e4higkeit zu Empathie und sozialer Kompetenz. Die Schule solle weiterhin, so Doris Schupp, \u201eein lebendiger Ort der Begegnung und des gegenseitigen F\u00f6rderns\u201c sein. Dazu geh\u00f6re es durchaus, die Verwendung des Handys im schulischen Alltag zu relativieren und die unmittelbare Kommunikation zu betonen. <\/p>\n<p>Medienm\u00fcndigkeit<\/p>\n<p>Deshalb sollten sich die Lehrkr\u00e4fte wie bisher daf\u00fcr einsetzen, mit gut strukturiertem Unterricht die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ganz bewusst zu einer Medienm\u00fcndigkeit bringen. Nur so k\u00f6nne es gelingen, eine zukunftsorientierte, human ausgerichtete digitale Kompetenz zu erreichen. Alfred Hock und Elfriede Jakob-Komianos betonten abschlie\u00dfend, dass dazu kleinere Klassen mit gen\u00fcgend M\u00f6glichkeiten zur Differenzierung n\u00f6tig seien, gerade auch vor dem Hintergrund der gestiegenen Zahl von Kindern mit Migrationshintergrund. Die Versorgung mit Lehrern im Volksschulbereich sei, gerade was MSP angeht, im aktuellen Schuljahr, so Hock, zwar besser geworden, allerdings seien viele Schulen durch sehr knappe Stundenzuweisungen gezwungen, jahrgangsgemischte Klassen zu bilden, oft sogar mit hohen Sch\u00fclerzahlen pro Klasse. Den zus\u00e4tzlichen Arbeitsaufwand h\u00e4tten die LehrerInnen zu tragen, ohne daf\u00fcr die angemessene Unterst\u00fctzung und Entlastung zu erhalten. Dass man dabei nicht jedem Sch\u00fcler gerecht werden k\u00f6nne, vor allem in gro\u00dfen, gemischten Klassen, liege auf der Hand.<\/p>\n<p>Erh\u00f6hte Arbeitsbelastung<\/p>\n<p>Vielen Lehrern im Volksschulbereich komme es angesichts dieser erh\u00f6hten Arbeitsbelastung und der \u2013 Aufgaben im Rahmen der Inklusion m\u00fcssen ebenfalls noch geschultert werden \u2013<br \/>\n geradezu als Hohn vor, dass ausgerechnet sie im Gegensatz zu Realschul-, Gymnasial- und F\u00f6rderschullehrern nur mit A12 entlohnt werden, obwohl sie, vor allem in der Grundschule, von allen Schularten die gr\u00f6\u00dfte Bandbreite an Begabungen und Voraussetzungen unter einen Hut bringen m\u00fcssen. Dabei d\u00fcrfen sie ihre Verantwortung f\u00fcr die Vorbereitung auf die jeweils geeignete weiterf\u00fchrende Schule nicht vernachl\u00e4ssigen, sollen dabei allen gerecht werden, m\u00fcssen F\u00f6rderpl\u00e4ne schreiben, die l\u00e4ngsten Zeugnisformulierungen erstellen oder gut vorbereitete Lernentwicklungsgespr\u00e4che f\u00fchren und haben dennoch die h\u00f6chste Unterrichtsverpflichtung, wenn sie Pech haben auch noch in einer jahrgangsgemischten Klasse. <\/p>\n<p>GEW: JA \u2013 A13!<\/p>\n<p>In vielen F\u00e4llen w\u00e4hlen Grundschullehrerinnen deshalb eine Teilzeitt\u00e4tigkeit, damit sie ihre Arbeit bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen, wodurch sie sogar noch deutlich weniger verdienen. Die Aktion \u201eJA13\u201c der GEW, gleiches Einstiegsgehalt f\u00fcr alle Lehrergruppen, versucht Bewusstsein daf\u00fcr zu schaffen, dass diese Ungerechtigkeit bald beendet werden muss.&#8220;<\/p>\n<p>Wolfgang Tr\u00f6ster, Vorsitzender des Kreisverbandes Main-Spessart der Bildungsgewerkschaft GEW, Am Steinernen Bild 28, 97753 Karlstadt Tel. 09353 8181<br \/>\n&#x57;&#46;T&#x72;&#111;e&#x73;&#x74;&#101;&#x72;&#x40;&#119;e&#x62;&#46;d&#x65;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Mitgliederversammlung diskutierte der Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft nach einem kurzen Eingangsreferat des GEW-Kreisvorsitzenden Wolfgang Tr\u00f6ster \u00fcber das Thema Digitale Bildung bzw. \u00fcber die Bedeutung der Digitalisierung in Erziehungseinrichtungen, vor allem in der Schule.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":278,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14,24,25,15],"tags":[4,7],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gew-unterfranken.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/279"}],"collection":[{"href":"https:\/\/gew-unterfranken.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gew-unterfranken.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gew-unterfranken.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gew-unterfranken.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=279"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/gew-unterfranken.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/279\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":280,"href":"https:\/\/gew-unterfranken.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/279\/revisions\/280"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gew-unterfranken.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/278"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gew-unterfranken.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=279"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gew-unterfranken.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=279"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gew-unterfranken.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=279"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}